Die Übergabe eines Unternehmens ist eine der kritischsten Phasen für den Mittelstand. Die größte Stolperfalle sind dabei oft nicht Steuern, Verträge oder Finanzen, sondern das Zwischenmenschliche. So gestalten Sie den Generationenwechsel mit Klarheit und Verbindlichkeit.
Zuerst erschienen im Magazin Wirtschaft der IHK Region Stuttgart (Unternehmensnachfolge, 2026, Seite 21).
Viele Unternehmerinnen und Unternehmer kennen diese Situation: Eine wichtige strategische Entscheidung zur Unternehmensnachfolge ist getroffen. Doch anstatt Erleichterung entstehen im Betrieb plötzlich Unsicherheit, Rückfragen oder sogar Widerstände bei der Belegschaft oder bei wichtigen Geschäftspartnern.
Internationale Studien, wie die der Williams Group, belegen eine deutliche Tendenz: Rund 70 Prozent der Unternehmensübergaben scheitern oder verlaufen unter erheblichen Spannungen. Der Hauptgrund in über 60 Prozent der Fälle? Ein Zusammenbruch der Kommunikation und des Vertrauens. Gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen wird die interne Kommunikation in dieser sensiblen Phase häufig nur „nebenbei“ erledigt. Dabei zeigt die Praxis: Klare, wirksame Kommunikation spart Zeit, vermeidet teure Konflikte und sichert den Fortbestand des Unternehmens.
Drei einfache Prinzipien helfen Ihnen im Übergabe-Alltag und bei allen größeren Veränderungen:
Ein Wechsel an der Unternehmensspitze bedeutet für Mitarbeitende häufig zunächst große Unsicherheit. „Bleibt mein Arbeitsplatz sicher? Was ändert sich an meinen Abläufen?“ Deshalb ist es entscheidend, den Wandel früh einzuordnen. Erklären Sie proaktiv: Warum ist dieser Schritt jetzt notwendig? Was bedeutet er für das Unternehmen? Und was verändert sich konkret für die Mitarbeitenden? Wer diese Fragen verständlich beantwortet, schafft Orientierung und reduziert Widerstände gegen die neue Geschäftsführung.
Für Sie als übergebende oder übernehmende Generation sind die Gründe für eine Entscheidung oft selbstverständlich. Sie haben monatelang darüber nachgedacht. Für Mitarbeitende oder externe Partner wie Banken, Kunden und Lieferanten sind sie es jedoch nicht. Hier hilft eine einfache Regel: Kommunizieren Sie nach der finalen Entscheidung zügig diese drei zentralen Fragen. Was haben wir entschieden? Warum haben wir uns so entschieden? Was bedeutet das für die nächsten Schritte? Diese Klarheit erleichtert es allen Beteiligten, den neuen Kurs mitzutragen und schneller umzusetzen.
Meinungsverschiedenheiten lassen sich bei einer Übergabe nicht vermeiden. Oft wird versucht, diese zwischenmenschlichen Schwingungen aus den Sachgesprächen herauszuhalten, was meist das Gegenteil bewirkt. Wirksame Kommunikation bedeutet hier, auch schwierige Punkte sachlich zu benennen. Indem Sie den sprichwörtlichen „Elefanten im Raum“ proaktiv ansprechen, entziehen Sie Gerüchten den Nährboden und schaffen eine vertrauensvolle Basis für die weitere Planung.
Gute Kommunikation ist in der Nachfolgeplanung keine weiche Zusatzaufgabe, sondern ein hartes Instrument der Unternehmensführung. Wer Entscheidungen klar erklärt und Orientierung gibt, stärkt nicht nur den Betriebsfrieden, sondern sichert die Motivation und die Zukunft des Unternehmens.